Mittwoch, 26. Februar 2014

DER DACKEL, DER LACHTE TEIL I



Heute würde ein guter Tag werden, das sagte mir meine feine Dackel-Nase, und glaubt mir, es liegt in meinem Blut, eine gute Chance zu wittern. Obwohl es schon Frühling war, ließen die Temperaturen zu wünschen übrig. Aber vom Wetter haben wir uns ja noch nie aufhalten lassen, meine kleine zehnjährige Freundin Nicole und ich. Entzückt, über die Möglichkeit, herum zu stromern, machten wir uns aus dem Staub, es gab ohnehin niemanden, der unser Fehlen bemerken würde. Warum also nicht ein bisschen Spaß im Volksgarten haben, in alten Ruinen rumschnüffeln, auf verlassenen Forts rumklettern (gut, dafür war meine kleine Freundin zuständig – ich hielt Wache) und wenn nichts dazwischen kam, würden wir zum krönenden Abschluss gemeinsam auf den Spielplatz gehen. Wir waren einfach ein unschlagbar gutes Team, wenn es darum ging, Abenteuer zu erleben. Also schlenderten wir ganz gemütlich in Richtung Park, während mir Nicole erzählte, was sie sich diesmal vorgenommen hatte. „Weißt du, Quissy, ich möchte heute in das alte Verließ unten am See und herausfinden, wohin die unterschiedlichen Gänge führen.“ Sie erinnerte mich manchmal mehr an eine streunende Katze als an ein Menschenkind, aber diesmal hatte ich ein bisschen Angst, weil es dort unten dunkel und geheimnisvoll war. Gleichzeitig genoss sie aber auch das Kribbeln, etwas Verbotenes zu tun und dabei vielleicht ein Geheimnis zu entdecken. Eine Taschenlampe würde ihr helfen, sich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Für mich war das kein Problem, schließlich lag es mir im Blut, durch dunkle, enge Gänge zu kriechen.
 

Der Park war nicht weit von unserer Wohnung entfernt. Zielstrebig nahmen wir Kurs auf den kleinen See, der mitten im Park lag, denn dort war der Eingang des unterschiedlichen Tunnels. Nicky, das war ihr Spitzname, versicherte sich, dass niemand beobachtete, wie wir die feuchten Treppen hinab stiegen, denn schließlich hatte sie keine Lust, unbequeme Fragen zu beantworten. Erwachsene haben wenig übrig für herumstreunende Kinder und Hunde, schließlich sind beide unberechenbar. Ein letzter prüfender Blick und wir verschwanden im Dunkel des Eingangs. Ich lief voran und wir blieben in engen Kontakt. Wohin würde uns dieser Gang führen? Nach einigen Metern wurde es Nicky ziemlich unheimlich, sie nahm all die Dinge wahr, die hier vor Ewigkeiten geschehen waren und musste sich zusammen reißen, nicht wieder zurück zum Eingang zu rennen. Ich dagegen fühlte mich pudelwohl (ähm?), blieb mit meiner Nase dicht am Boden und führte uns immer weiter voran, während sich meine Freundin auf meinem Spürsinn verließ. Kaum merklich stieg der Weg an, als wir in der Entfernung etwas Helles schimmern sehen konnten. Der Ausgang war nicht mehr weit entfernt. Wir hatten es bald geschafft. Aufgeregt erhöhten wir unser Tempo und erreichten schließlich atemlos das Ende des Tunnels. Um uns herum waren Mauern. Licht fiel durch zwei Fenster auf uns herab. Jetzt war uns klar, worin wir uns befanden. Wir standen in einem Turm, wahrscheinlich gehörte er zu dem alten Fort, das oberhalb des Sees am Eingang des Parks lag. Und genau so war es auch. Stolz und erleichtert fiel mir meine kleine Freundin um den kurzen Hals und rief begeistert aus: „Oh Quissy, wir haben es tatsächlich geschafft und entdeckt, wohin dieser Tunnel führt, ist das nicht toll“ Als Antwort leckte ich ihr den Hals ab und wedelte so heftig ich nur konnte mit meinem Schwanz. Jetzt hatten wir uns aber eine Belohnung verdient. Immer noch aufgeregt liefen wir gemeinsam den Hang zum See hinunter, geradewegs zu unserem Lieblings-Spielplatz mit der Riesenrutsche.

Alles Liebe,
Nicole & Quissy

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Montag, 17. Februar 2014

SPIELEND DIE WELT ENTDECKEN



Nehmen wir doch mal den kleinen Sohn Quint von meiner Freundin Nicole. Quint hatte die Angewohnheit, die beiden jungen Katzen zu fangen, die seit ein paar Wochen mit der Familie lebten. Als seine Mutter das mitbekam, reagierte sie ungehalten („Die armen Katzen…“) und versuchte ihm klar zu machen, dass er die Katzen nicht jagen soll, weil sie sonst Angst bekämen. Es dauerte nicht lange, und er lag wieder auf der Lauer, um die Katzen zu fangen. Diesmal probierte Nicole eine andere Strategie und hielt sich (kluges Mädchen!) zurück, um Quint und die Katzen im Stillen zu beobachten. Dabei konnte sie etwas sehr Interessantes feststellen. Quint bewegte und verhielt sich wie eine Katze, er lief auf allen Vieren, legte sich hinter der Türe auf die Lauer und konnte sehr geduldig warten, bis das gewünschte Opfer um die Ecke bog. Dann stürzte er sich auf die Katze und jagte sie quer durchs Haus. Er meinte dann zur Mutter, er würde die Katzen trainieren. Und in der Tat, genau das tat er. Allerdings sahen es die Katzen ähnlich und erteilten ihm so einige äußerst schmerzhafte Lektionen in „Krallen-Kunde“. Aber das tat der Spiel-Freude keinen Abbruch, im Gegenteil. Natürlich versuchte der kleine Kerl, immer geschickter zu werden, um die Katzen zu überlisten, allerdings mit mäßigem Erfolg. Spaß muss sein! Und wenn´s nur für die Katz ist. Aber auch für Quint sprang eine wichtige Erkenntnis bei dem Spiel heraus. Wenn es, wie manche sagen, mehrere Leben gebe und er die Möglichkeit hätte zu wählen, würde er gerne in einem der nächsten möglichen Leben eine Katze sein – Ein Mensch zu sein, sei so anstrengend!

Wenn ihr mal wahre Spiel-Profis unter den Tieren kennen lernen wollt, dann besucht die Fischotter im Zoo. Die machen den ganzen Tag nichts anderes als spielen und fressen, auch nicht schlecht. Da wird rund um die Uhr mit der Familie Fangen gespielt und dabei die Technik verfeinert. In Skandinavien gibt es Raben, die Kolkraben, die sich einen Spaß daraus machen, Dächer runter zu rutschen!
 
Wann habt ihr das letzte Mal gespielt und Spaß gehabt? Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie viel Spaß ich mit meiner Freundin hatte, wenn wir um die Häuser zogen und den nahe gelegenen Park unsicher machten.

Alles Liebe

Nicole & Quissy

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Sonntag, 16. Februar 2014

WILD HORSES

Der wilde Mustang wusste, dass es hier ums Ganze ging. Sein ganzer Körper war angespannt, die Nüstern aufgebläht und die Augen unruhig. Sein Schweif zuckte. Mit seinem Verhalten gegenüber den fremden Männern entschied er, mit wem er die nächsten Jahre verbringen würde. Seine Freiheit hatte er bereits verloren, als man ihn von seiner Herde trennte und mit einem Lasso einfing, um ihn hierher in dieses Gefängnis zu bringen. Aber nicht nur er, sondern auch diese Männer, die im Kreis um ihn herum standen, waren Gefangene. Sie bekamen die Chance an einem Resozialisierungsprogramm der „Honer Farm“ in Wyoming für Häftlinge teilzunehmen. Er hasste gewalttätige Männer und wollte auf keinen Fall von einem gezähmt werden. Dass er gezähmt werden würde, war unausweichlich, aber er konnte bestimmen, von wem. Und schließlich war es ja auch so, dass nicht nur er gezähmt werden würde. Sie würden sich gegenseitig zähmen und mehr voneinander lernen, als sie es je für möglich hielten. Am Ende würden beide diesen Ort hier verlassen und eine andere Form der Freiheit finden, vielleicht gemeinsam. Aber noch war es nicht soweit und jetzt musste er mit seinem Verhalten dem Wärter, Mike Buchanan, der dieses Programm leitete, zeigen, wem er sein Vertrauen schenken würde, und wem nicht. Mike würde sein Verhalten verstehen und die gewalttätigen Männer nicht in das Programm aufnehmen, das wilde Mustangs zähmte, um sie anschließend auf einer Auktion zu verkaufen. Er wendete sich von den Männern, die auf rohe Gewalt geeicht waren, ab und schritt ganz langsam auf den Häftling zu, der etwas verunsichert rechts vom Eingang der Koppel stand. Er hatte seine Wahl getroffen.

Woher nur hatte der Hengst gewusst, wer der Richtige ist? Er hat sich auf seinen Instinkt verlassen und sich nicht von den Äußerlichkeiten, wie einem Lächeln, täuschen lassen. Er hat auf die Ausstrahlung der Männer reagiert, ihre Körperhaltung beobachtet. Tieren kann man nichts vormachen – sie sehen, wer du wirklich bist und handeln dementsprechend.
Deswegen lieben viele Menschen und vor allem Kinder Tiere so. Weil sie so unmittelbar sind. Wenn ein Tier knurrt, ist es meist sinnvoll, einen genügenden Abstand zwischen sich und dem Knurrenden zu bringen. Weicht ein Tier zurück, ist Angst der Auslöser und eine schnurrende Katze bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Gefletschte Zähne lösen bei Zweibeinern meist zu Recht eine instinktive Reaktion von Flucht aus. Was wiederum bei dem Zähne fletschenden Wesen schon mal den Jagd-Instinkt auslöst. Und schon hat das Räuber-Beute-Spiel begonnen.


Quissys Tipp
 
Nehmt euch etwas Zeit, die Tiere mit denen ihr zusammen lebt, aber auch alle Freigeister, wie Vögel, Eichhörnchen, Füchse oder die Rehe im Wald zu beobachten. Spielen ist ein tolles Thema, weil die meisten von uns ihre Instinkte dabei trainieren können. Wir lernen spielend, so wie die Menschenkinder. Also, spielt mal für zehn Minuten mit einem Tier, vorausgesetzt, es hat auch Lust dazu.

Alles Liebe

Nicole Gangloff

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