Heute würde ein guter Tag werden, das sagte mir meine feine
Dackel-Nase, und glaubt mir, es liegt in meinem Blut, eine gute Chance zu
wittern. Obwohl es schon Frühling war, ließen die Temperaturen zu wünschen
übrig. Aber vom Wetter haben wir uns ja noch nie aufhalten lassen, meine kleine
zehnjährige Freundin Nicole und ich. Entzückt, über die Möglichkeit, herum zu
stromern, machten wir uns aus dem Staub, es gab ohnehin niemanden, der unser
Fehlen bemerken würde. Warum also nicht ein bisschen Spaß im Volksgarten haben,
in alten Ruinen rumschnüffeln, auf verlassenen Forts rumklettern (gut, dafür
war meine kleine Freundin zuständig – ich hielt Wache) und wenn nichts
dazwischen kam, würden wir zum krönenden Abschluss gemeinsam auf den Spielplatz
gehen. Wir waren einfach ein unschlagbar gutes Team, wenn es darum ging,
Abenteuer zu erleben. Also schlenderten wir ganz gemütlich in Richtung Park,
während mir Nicole erzählte, was sie sich diesmal vorgenommen hatte. „Weißt du,
Quissy, ich möchte heute in das alte Verließ unten am See und herausfinden,
wohin die unterschiedlichen Gänge führen.“ Sie erinnerte mich manchmal mehr an
eine streunende Katze als an ein Menschenkind, aber diesmal hatte ich ein
bisschen Angst, weil es dort unten dunkel und geheimnisvoll war. Gleichzeitig
genoss sie aber auch das Kribbeln, etwas Verbotenes zu tun und dabei vielleicht
ein Geheimnis zu entdecken. Eine Taschenlampe würde ihr helfen, sich in der
Dunkelheit zurechtzufinden. Für mich war das kein Problem, schließlich lag es
mir im Blut, durch dunkle, enge Gänge zu kriechen.
Der Park war nicht weit von unserer Wohnung entfernt. Zielstrebig nahmen wir Kurs auf den kleinen See, der mitten im Park lag, denn dort war der Eingang des unterschiedlichen Tunnels. Nicky, das war ihr Spitzname, versicherte sich, dass niemand beobachtete, wie wir die feuchten Treppen hinab stiegen, denn schließlich hatte sie keine Lust, unbequeme Fragen zu beantworten. Erwachsene haben wenig übrig für herumstreunende Kinder und Hunde, schließlich sind beide unberechenbar. Ein letzter prüfender Blick und wir verschwanden im Dunkel des Eingangs. Ich lief voran und wir blieben in engen Kontakt. Wohin würde uns dieser Gang führen? Nach einigen Metern wurde es Nicky ziemlich unheimlich, sie nahm all die Dinge wahr, die hier vor Ewigkeiten geschehen waren und musste sich zusammen reißen, nicht wieder zurück zum Eingang zu rennen. Ich dagegen fühlte mich pudelwohl (ähm?), blieb mit meiner Nase dicht am Boden und führte uns immer weiter voran, während sich meine Freundin auf meinem Spürsinn verließ. Kaum merklich stieg der Weg an, als wir in der Entfernung etwas Helles schimmern sehen konnten. Der Ausgang war nicht mehr weit entfernt. Wir hatten es bald geschafft. Aufgeregt erhöhten wir unser Tempo und erreichten schließlich atemlos das Ende des Tunnels. Um uns herum waren Mauern. Licht fiel durch zwei Fenster auf uns herab. Jetzt war uns klar, worin wir uns befanden. Wir standen in einem Turm, wahrscheinlich gehörte er zu dem alten Fort, das oberhalb des Sees am Eingang des Parks lag. Und genau so war es auch. Stolz und erleichtert fiel mir meine kleine Freundin um den kurzen Hals und rief begeistert aus: „Oh Quissy, wir haben es tatsächlich geschafft und entdeckt, wohin dieser Tunnel führt, ist das nicht toll“ Als Antwort leckte ich ihr den Hals ab und wedelte so heftig ich nur konnte mit meinem Schwanz. Jetzt hatten wir uns aber eine Belohnung verdient. Immer noch aufgeregt liefen wir gemeinsam den Hang zum See hinunter, geradewegs zu unserem Lieblings-Spielplatz mit der Riesenrutsche.
Alles Liebe,
Nicole & Quissy
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