Donnerstag, 6. März 2014

DER DACKEL, DER LACHTE TEIL II



Beschwingt von unserem Abenteuer dackelte ich zur blauen Eisenrutsche, um endlich zu rutschen. Kleingeister, die denken, dass man mich die vielen Stufen hoch tragen musste. Selbst ist der Dackel – ganz alleine kletterte ich die vielen Stufen hinauf. Die Nummer war absolut zirkusreif! Ganz oben (nur, dass wir uns nicht missverstehen, wir reden hier wirklich von einer riesigen Rutsche) angelangt, setzte ich mich auf meinen Hintern, streckte die Vorderläufe nach vorne, stieß mich mit den Hinterbeinen ab und – rutschte los. Ha, ein Dackel der mit fliegenden Ohren die Rutsche auf allen Vieren runter rutscht und – lacht! Und gleich danach sauste Nicole hinter mir her – mit dem Kopf zuerst, versteht sich! Ihr hättet uns sehen sollen, es war das reinste Vergnügen – was für ein Spektakel.

Und all die Menschen, die ihren Augen nicht trauten, als sie mich auf der Rutsche sahen. Es gab nichts, was mir einen solchen Riesenspass machte wie das Rutschen. Es gab mir ein vollkommenes Gefühl von Freiheit, indem ich über mich hinaus wuchs und tat, worauf ich mich am meisten freute. Fast wie Fliegen! Vielleicht noch Eis essen – Schokolade oder Vanille waren meine Lieblingssorten. Was für ein tolles Hundeleben. Den lieben langen Tag rumlaufen und Abenteuer wie dieses erleben.
Das kleine Mädchen und ich waren ein Herz und eine Seele, verstanden uns wortlos. Wenn sie, was manchmal vorkam, traurig war und weinte, tröstete ich sie mit meinen Schlappohren, mit denen sie sich die Tränen abwischte. Wir schliefen gemeinsam in einem Bett, sie oben und ich unten an ihren Füssen. Ich liebte es, mich an ihrem Körper zu kuscheln und ihre Nähe und Wärme zu spüren. Für sie war es genauso.
Sie hütete mich wie ihren Augapfel, trug mich jedes Mal, wenn wir die Wohnung verließen, die drei Etagen auf ihren Armen herunter, damit ich keine Dackellähmung bekam. Wo sie war, war auch ich, wenn es die Umstände erlaubten. Ein Mal hat sie mich sogar mit in ihre Schule genommen, als Haustiere im Unterricht durchgenommen wurden. Die anderen Kinder freuten sich riesig, mich kennen zu lernen und streichelten mich unentwegt. Mir hat am meisten Spaß gemacht, mit ihnen in der großen Pause auf dem Schulhof rumzurennen. Ansonsten wartete ich jeden Tag sehnsüchtig darauf, dass Nicole aus der Schule nach Hause kam, um mit mir durch die Gegend zu streifen, oder einfach nur zu spielen. Sie fühlte sich sicher und geborgen mit mir. Der große Bruder war oft gemein und liebte es, seine kleine ahnungslose Schwester fast zu Tode zu erschrecken. Mit einem Knurren machte ich unmissverständlich klar, was ich von der Sache hielt und manchmal hörte er auch auf mit dem Unfug. Überhaupt konnte ich zur Riesenbestie mutieren, wenn jemand meinem Schützling unaufgefordert zu nahe kam. Dann war Schluss mit dem freundlichen Dackel von nebenan. Legt euch niemals mit einem wütenden Dackel an, ich sag´s euch!

Alles Liebe
Nicole & Quissy

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